Die Kurt-Schumacher-Schule erforscht den Holiday Park

Mehrere junge Frauen blockieren kurzfristig den laufenden Betrieb des „Balloon Race“, eines der vielen Fahrgeschäfte im Holiday Park. Eine der Frauen hält einen roten Maßstab an einen der Körbe und diktiert einer zweiten jungen Frau irgendwelche Zahlen. Währenddessen lässt sich an einem der anderen Körbe eine Frau mit einem Maßstab in der Hand fotografieren. Dieses ungewohnte Bild können Besucher des Holiday Parks am Dienstag an vielen Fahrgeschäften beobachten. Überall finden sich junge Frauen und Männer, die Fahrgeschäfte fotografieren, filmen oder vermessen. Der ahnungslose Besucher schnappt Begriffe, wie Weg-Zeit-Messung, Beschleunigungssensor, Zentripetalkraft, potentielle und kinetische Energie, auf. Welche Erklärung gibt es für das ungewohnte Verhalten dieser jungen Menschen?

Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: Diese jungen Menschen besuchen zurzeit die Einführungsphase der Kurt-Schumacher-Schule in Karben. Die Physiklehrer hatten beschlossen, dieses Jahr den Holiday Park in Haßloch zu erforschen. Um dieses ehrgeizige Projekt in die Tat umzusetzen eigneten sich die Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement die notwendigen Kenntnisse der Newton’schen Mechanik an. Sie wählten sich unter den Attraktionen des Parks eine aus und überlegten sich in kleinen Gruppen, wie sie am besten „ihr Fahrgeschäft“ untersuchen könnten. Dank der großzügigen Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus Stiftung und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft standen den Schülerinnen und Schülern für die Messung und Auswertung modernste Geräte zur Verfügung. Mit einem Videoanalyseprogramm konnten auch komplexe Bewegungen ausgewertet werden. An verschiedensten Stellen im Freizeitpark wurden daher Stative aufgebaut und die Bewegungsabläufe der Fahrgeschäfte gefilmt. Weiterhin bestand die Möglichkeit, Beschleunigungen mit modernen Sensoren zu messen und damit auf die wirkenden Kräfte zu schließen. Bei der Vermessung der Fahrgeschäfte mussten die jungen Forscher zum Teil knifflige Probleme lösen und wurden mit Schwierigkeiten konfrontiert, die sie in der Vorbereitung so nicht einmal erahnen konnten. Nachdem alle Probleme gelöst und alle Messdaten erfasst waren, konnten die jungen Forscherinnen und Forscher die Fahrgeschäfte genießen. Obwohl einige Schülerinnen und Schüler beim Hochziehen der Achterbahn noch an die Hubarbeit dachten, waren die Gedanken beim Runterfahren doch voll auf die Fahrt und den Nervenkitzel fixiert. Nach einem ereignis- und erfolgreichen Tag fuhren die jungen Leute zufrieden wieder nach Karben.

Am nächsten Tag haben sich die jungen Forscherinnen und Forscher schon früh getroffen und mit der Auswertung der Daten begonnen. Hier zeigte sich, dass ein Großteil von ihnen das wissenschaftliche Arbeiten schon verinnerlicht hatte. Die ausgewerteten Messergebnisse wurden mit theoretischen Werten verglichen. Bei Unstimmigkeiten wurden die Messergebnisse kritisch hinterfragt und Erklärungsversuche skizziert. Einige Gruppen überprüften ihre Messungen auch, indem sie Kontrollmessungen durchführten und diese miteinander verglichen. Diese Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit ist sehr beachtlich. Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen wurden auf Postern festgehalten. Hier zeigte sich, wie wertvoll es ist Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Interessen in einer Gruppe zu haben. Während einige Schülerinnen und Schüler gewissenhaft die Fahrgeschäfte vermaßen und andere die zum Teil aufwendigen Rechnungen durchführten, kamen jetzt die kreativen zum Zuge. So schön gestaltete und ansprechende Poster findet man selbst auf Fachtagungen nur selten. Drei Gruppen haben, zusätzlich zu ihrem Poster, noch jeweils ein sehr professionelles Video gedreht und geschnitten. Mit der Auswertung waren einige Gruppen am Mittwoch sehr lange beschäftigt.

Am Donnerstag gab es dann eine Poster-Session, während der die jungen Forscherinnen und Forscher ihre Ergebnisse untereinander vorstellten. Frau Gebauer, die Oberstufenleiterin und selbst Physiklehrerin, ließ es sich nicht nehmen, sich die gelungenen Poster und Ausarbeitungen von den Schülerinnen und Schülern erklären zu lassen. Die drei besten Ausarbeitungen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Diese wurden von der Bad Vilbeler Volksbank gesponsert. Sie kam aber nicht nur für die Preise auf, sondern übernahm auch noch die Hälfte der Eintrittskosten für den Holiday Park. Dadurch war es erst möglich, dass das Projekt in dieser Weise und mit diesem Erfolg stattfinden konnte. Der Schulleiter, Herr Wild, war beeindruckt, wie engagiert die Schülerinnen und Schüler bei etwas dabei sind, an das viele Erwachsene nur mit Grauen zurückdenken: den Physikunterricht.

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  • Abb2
  • Abb3
  • Abb4
  • Abb5
  • Abb6

Abb. 1) Hanna, Nina S., Vanessa, Jacqueline, Nina L., Yasmin

Abb. 2) Malte, Herr Kunder, Janika, Jonathan, Jan

Abb. 3) Tim, Lars, Daniel, Fabian

Abb. 4) Inez, Heike, Franziska, Linus

Abb. 5) Herr Maier, Frau Gebauer, Tim

Abb. 6) Yasmin, Nina L., Nina S., Jacqueline